Büro der Chefs

Thorsten und Axel Meier haben mit der Agentur AMM den früheren Steinmetzbetrieb Kemper bezogen.
Das Gebäude am alten Lemgoer Friedhof ist stadtweit bekannt. Die alten, denkmalgeschützten Arkaden ließen die Brüder verglasen. Lemgo. 38 Schritte: Nicht mehr, nicht weniger benötigt Thorsten Meier, um von seinem Chefbüro in das Chefbüro seines Bruders zu gelangen. 38 Schritte ohne Hindernis, 38 Schritte der Offenheit zwischen Axel und Thorsten Meier – durch ein Großraumbüro, das voller Charme nicht wie eines wirkt. „Sehen und gesehen werden, Teamarbeit und miteinander reden“ – all das sieht das Geschäftsführerduo im alten Steinmetzbetrieb Kemper, den die Werbeagentur AMM gekauft hat.
1930 wurde das historische Gemäuer gebaut. Grundsolide. Dicke Wände. Gebrannte Ziegel. Die Steine – bei der Renovierung eigens sandgestrahlt – sehen aus, als hätten sie erst gestern die nötige Kelle Mörtel mitbekommen. In der Teeküche haben die Brüder ein paar Quadratmeter alten Boden erhalten. Vor dem Eingang steht eine Drechselbank. Patina hat sie angesetzt. „Sie funktioniert aber“, sagt Thorsten Meier und stellt eine Handwerksurkunde des alten Steinmetz Kemper zurück auf einen Mauervorsprung: eine andere Geschichte.
Für das Chefbüro von Thorsten Meier gilt das nicht minder. Er hat sich mit Hilfe seines Architekten und in Abstimmung mit Lemgos Denkmalschützer den ehemaligen Ausstellungsraum für Kempers Steinmetzarbeiten und später Martin Blöchers historische Baumaterialien verglasen lassen. Die Arkaden auf der Ecke Leopold-/Konsul-Wolff- Straße unterhalb des alten Friedhofs haben ihren Charme dadurch nicht verloren.
Die alten Säulen sind allgegenwärtig. Die runden, unvergesslichen Fenster – noch zugig –, werden noch neu verglast. Dazu auch auf voller Länge des Chefbüros: Fenster. Tageslicht. „Offenheit“, sagt Thorsten Meier. „Auch meine Tür steht eigentlich immer offen.“ Und doch macht der AMM-Geschäftsführer neue Erfahrungen am neuen Standort.
Zuvor war die Werbeagentur ein paar Häuser weiter beheimatet. Dort war alles anders: die Schreibtische auf mehrere Etagen verteilt, Treppen zwischen den Büros. „Hier musste ich mir erst angewöhnen, die Mitarbeiter nicht anzurufen“, sagt Meier. Doch das neue Klima, der neue Geist, er mache zweifelsfrei die Runde.
Und das passt, findet auch sein Bruder Axel Meier. Gerade in der Werbebranche sei Teamarbeit Trumpf. Kreativität entsteht in der Zusammenarbeit. Im Gespräch zu sein, gehört dazu. Das ist AMM jetzt auch selbst gelungen – mit der Übernahme der ehemaligen Hallen von Blöcher, der komplett an die alte Ziegelei in Entrup umgezogen ist.
„Den alten Steinmetzbetrieb Kemper kennt in Lemgo einfach jeder“, zeigt sich Axel Meier vom Kauf überzeugt. Zumal die beiden Chefs das Team in einem Atemzug um sechs auf 15 Leute erweitert und erstmals ein vollwertiges Fotostudio eingerichtet haben. Das Wachstum von zuvor 120 auf jetzt stolze 400 Quadratmeter macht es möglich.
Moderne Technik, ein großer Flachbildschirm an der Wand für die Präsentationen, die Design-Computer mit dem Apfel-Symbol... klar, so etwas gehört in einer Werbeagentur einfach zum guten Ton. Dazu eine LED-beleuchtete Weltkarte („Die Erde hört nicht hinter Lemgo auf“).
Seine persönliche Handschrift hat Thorsten Meier in seinem Büro auch hinterlassen. Vor der Glasfront steht ein lederbezogener Bock als Sitz- gelegenheit. „Turnen war allerdings nie meine Stärke“, bekennt der Lemgoer. „Alles, was mit dem Ball zu tun hat, das ist meins“, sagt der AMM- Chef. Passenderweise ist der bedruckte, satt rote Werbeball eines wichtigen Kunden halb unter den Bock gerollt.
Auf dem niedrigen Bord hinterm Schreibtisch: Asterix und Obelix im Format eins zu zehn. „Mit Comics bin ich groß geworden“, denkt der 47-Jährige zurück. Damals, es muss so Ende der 70er-Jahre gewesen sein, waren die Hefte noch auf jeder zweiten Seite schwarzweiß. „Da freute man sich immer auf die Farbseite“, ist es dem Geschäftsführer noch, als wäre es gestern gewesen.
Neben dem Monitor als ständiger Fingerzeig: die Mondrakete von Tim und Struppi. Fingerzeig? „Als Werber muss man auch mal abheben.“ „...gedanklich“, schiebt Thorsten Meier hinterher. Jedoch ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Das garantiert allein schon das alte Gemäuer. Garantiert Bodenhaftung. Das Gespür für die Realität, hier verliert es niemand. Auch wenn einem nach einem stressigen Tag einmal der gallische Himmel auf den Kopf fällt. 4 Antworten 1. Ich derzeit sehr zufrieden, weil... 
 ... meine Familie gesund ist und unser Team eine tolle Arbeit macht. 2. Gegenwärtig läuft es bei uns gut, weil... 
 ... die Mannschaft am neuen Standort in kürzester Zeit zusammen gewachsen ist, um kreativ und produktiv zu arbeiten. 3. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass...
... die Welt mal wieder zur Ruhe kommt. 4. Meine Mittagspause verbringe ich...
... zu Hause am Küchentisch. Meine Tochter und mein Sohn kommen von der Kampschule und holen mich ab. Und mein Handy bleibt im Büro. Zum Originalartikel: 

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